Rückblick 2. Alpen-Energieforum 2025
Beim 2. Alpen-Energieforum, das am 10. Juni 2025 in Igls stattfand, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Gemeinden über den energiepolitischen Kurs Tirols – und über die Frage, wie sich ambitionierte Klimaziele mit wirtschaftlicher Realität und Versorgungssicherheit verbinden lassen.
Klimaziele, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Umsetzbarkeit – drei Eckpfeiler, an denen sich die Energiewende im Alpenraum messen lassen muss. Welche Infrastruktur braucht es? Wie kann regionale Akzeptanz gestärkt werden? Und welche Rolle spielt die Industrie beim Umbau des Energiesystems? Diese Fragen prägten das 2. Alpen-Energieforum, das am 10. Juni 2025 im Congresspark Igls stattfand. Rund 250 Fachleute aus Industrie, Politik, Wissenschaft, Tourismus und Gemeinden diskutierten über zentrale Prioritäten für eine resiliente Energiezukunft Tirols – sachlich, kontrovers und mit Blick auf konkrete Umsetzungswege.
Energiesouveränität ist Standortfrage
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle stellte in seinen Eröffnungsworten die langfristige Energiestrategie des Landes in den Vordergrund. Ziel bleibe es, die Energieversorgung Tirols auf Basis heimischer erneuerbarer Quellen abzusichern und die Importabhängigkeit zu senken. Der Ausbau der Wasserkraft, technologieoffene Ansätze sowie die Nutzung regionaler Potenziale seien dabei zentrale Bestandteile der strategischen Ausrichtung. Mattle betonte die Bedeutung eines konstruktiven Zusammenspiels zwischen Politik, Industrie, Gemeinden und Bevölkerung für das Gelingen dieses Vorhabens.
Standortpolitik als Schlüssel
„Der Industriestandort kann nur klimaneutral werden, wenn er auch wirtschaftlich überlebensfähig bleibt“ – mit diesem Appell sprach IV-Tirol-Präsident Max Kloger die zentrale industriepolitische Herausforderung an. Die Tiroler Industrie sei bereit, in Effizienz, Dekarbonisierung und Transformation zu investieren – doch das setze verlässliche Rahmenbedingungen voraus. Kloger begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung zur Wiedereinführung der Strompreiskompensation als überfälliges Signal, mahnte aber zur raschen und praxisgerechten Umsetzung: „Was auf keinen Fall passieren darf, ist, dass diese dringend notwendige Entlastung gleich wieder durch bürokratische Hürden ausgebremst wird.“
Transformation braucht aktiven Standortpolitik
Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), stellte klar: Politische Zielsetzungen reichen nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen für Unternehmen nicht passen. Die Transformation der Energieversorgung erfordere aktive Standortpolitik – mit Investitionen in Netze, Speichertechnologien und klimakompatible Produktionsprozesse. Für ihn ist klar: Nur wenn industrielle Wertschöpfung gesichert bleibt, sind auch ambitionierte Klimaziele erreichbar. Der Alpenraum könne Modellregion werden – vorausgesetzt, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit werde nicht als Gegensatz, sondern als Voraussetzung einer erfolgreichen Klimapolitik begriffen.
Speicher als Rückgrat eines resilienten Systems
Eine nachhaltige Energiezukunft braucht Flexibilität – und damit Speichertechnologien. TU-Wien-Forscher Bernd Klöckl rückte in seinem Vortrag die strukturelle Rolle von Speichern ins Zentrum: Gerade Tirol mit seiner alpinen Topografie biete ideale Voraussetzungen für leistungsfähige Pumpspeicherkraftwerke. Doch damit diese ihre Rolle als Rückgrat eines stabilen Energiesystems einnehmen können, brauche es entschlossene Genehmigungsprozesse, klare politische Signale und den Abbau regulatorischer Hürden. Klöckl warnte davor, Speicher als nachrangige Infrastruktur zu behandeln – sie müssten vielmehr als zentrales Element eines resilienten Gesamtsystems verstanden werden.
Klimarealität als Auftrag zum Handeln
Der ORF-Meteorologe und Wissenschaftsjournalist Marcus Wadsak präsentierte eindrücklich, wie stark sich die Klimarealität im Alpenraum bereits verändert hat. Auf Basis aktueller Daten und Bilder zeigte er die konkreten Auswirkungen der Erderhitzung auf Natur, Wirtschaft und Gesellschaft – und machte klar, dass die Energiewende keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Entscheidend sei jetzt, den technologischen Wandel mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu verbinden. Wadsak forderte, dass Verantwortung nicht nur eingefordert, sondern durch konkrete Maßnahmen spürbar übernommen werde – in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen.
Energiewende gelingt nur gemeinsam
Die abschließende Diskussionsrunde zeigte, dass die Energiewende im Alpenraum unterschiedliche Anforderungen an Regionen, Branchen und Lebensrealitäten stellt – umso wichtiger ist ein gemeinsamer Schulterschluss zwischen Industrie, Politik, Tourismus und Gemeinden. Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler, Bürgermeisterin Melanie Zerlauth (Pfunds), Lukas Heymich (TVB Serfaus-Fiss-Ladis), Karlheinz Wex (Plansee Group) und Alexander Speckle (TIWAG) diskutierten über Genehmigungsverfahren, Nutzungspotenziale und gesellschaftliche Akzeptanz. Der Tenor: Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich in der Umsetzung – und die braucht Tempo, Planungssicherheit und breite Unterstützung in den Regionen und Gemeinden.